15.11.2020 – #3 Korea

Aufzeichnungen eines Serienmörders

 

"Ich habe mehr Menschen am Leben gelassen, als ich umgebracht habe." Dass es dem pensionierten Veterinär Byongsu Kim, der mittlerweile im Lyrikkurs der örtlichen Volkshochschule seine über Jahrzehnte unentdeckten Serienmorde künstlerisch zweitverwertet, nicht an Gerissenheit und Routine mangelt, liegt auf der Hand. Dennoch wackelt das Vorhaben, noch einmal zur Tat zu schreiten, gewaltig. Das liegt an der Diagnose, die ihm der Arzt mit ernster Miene verkündet hat: fortschreitende Demenz. Im mörderischen Plan, dem anderen Killer das Handwerk zu legen, der neuerdings in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt und es obendrein auf Kims Tochter abgesehen hat, wird diese zum immer größeren Störfaktor. Der Serienmörder muss zuschlagen – "bevor ich vergesse, wer er ist."

 

Mit diesem ungewöhnlichen Plot entspinnt sich bereits auf den ersten Seiten des Romans Aufzeichnungen eines Serienmörders von Young-ha Kim eine Steilvorlage, deren Fäden mit so heißer Nadel zu einem Kunstwerk gestrickt werden, dass man nur staunen kann, was auf 150 Seiten möglich ist: Da ist der demente Ich-Erzähler, der durchaus schlüssig seine Welt betrachtet, dessen Zuverlässigkeit aber mit Fortschreiten der Handlung mehr und mehr in Frage gestellt werden muss und gleich einer pathologischen Studie tiefe Einblicke ins nebulöse Geistesleben eröffnet. Gleichzeitig dehnen Rückblenden in die Vergangenheit und Geschehnisse in der Gegenwart kontinuierlich den Spannungsbogen, sodass sich der Krimi kaum noch aus der Hand legen lässt. Der kommt dabei gänzlich ohne Klischees und Unappetitliches aus. Vielmehr sind die kurzen Absatz-Häppchen gespickt mit Komik und philosophischen Betrachtungen, in denen, ohne dabei ein überflüssiges Wort zu verlieren, große Themen abgehandelt werden – "Vielleicht ist der Tod ein Glas Schnaps, das man kippt, um das belanglose Bankett namens Leben zu vergessen."

 

Young-ha Kim, der 1968 als Sohn eines südkoreanischen Offiziers geboren wurde und durch eine Kohlenmonoxidvergiftung die Erinnerungen an seine ersten zehn Lebensjahre verloren haben soll, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – zuletzt mit dem Preis der Hotlist 2020. Er gilt als einer der wichtigsen koreanischen Autoren der Gegenwart. Dass die Brillanz seiner Erzählweise, die durch Einfachheit besticht, auch im Deutschen funkelt, verdankt sich der Übersetzung von Inwon Park.

 

>> Young-ha Kim: Aufzeichnungen eines Serienmörders. cass Verlag 2020. 152 Seiten, 20 EUR.

 

Rezension erstmals erschienen auf: Hotlistblog.

Korea blickt auf eine uralte Kultur zurück. Umgekehrt auf eine umso kürzere Zeit als souveräner Staat: So war Korea in den vergangenen Jahrhunderten Schauplatz der Rivalitäten und Auseinandersetzungen der jeweiligen benachbarten Großmächte. Heute herrscht im Norden das restriktivste politische System der Welt, im Süden westlich orientierte Demokratie mit einer dynamischen Wirtschaft, deren Marken Samsung, LG und Hyundai weltweit bekannt sind. Die Trennung Koreas erfolgte 1945, nominell befinden sich beide Staaten bis heute im Krieg – es gibt weder Post- noch Verkehrsverbindungen oder Informationsaustausch zwischen ihnen. 

K-Pop, kurz für Korea-Pop, ist ein populärer Musikstil, der mittlerweile auch hierzulande bekannt ist. Dahinter steht eine große, in Südkorea angesiedelte Industrie, die Talente im Jugendalter aufspürt und vermarktet. Das Ergebnis sind Musikhits mit Popelementen und exakt einstudierten Tanzchoreografien, die "Idols", wie die Mitglieder der Boy- und Girlbands genannt werden, zum Besten geben. Das Format gerät wegen dem hohen Druck in diesem Business immer wieder in die Kritik. Eine der bekanntesten Bands ist BTS, ihr Song Boy with Luv verzeichnet über eine Milliarde Aufrufe auf Youtube >> Boy with Luv

Bei Tisch gibt es in Korea klare Regeln: Wenn mit Älteren gegessen wird, nimmt man seinen Platz entsprechend des Alters ein. Dabei gilt: Je jünger, desto näher sollte man an der Tür sitzen. Erst nachdem der oder die Älteste den Löffel aufgenommen hat, dürfen die anderen mit dem Essen beginnen. Kimchi, auch die Essenz Koreas genannt, darf dabei keinesfalls fehlen. Das fermentierte Gemüse (traditionell Chinakohl und koreanischer Rettich) gehört zu jeder Mahlzeit. Auch eines der bekanntesten koreanischen Restaurants in Berlin ist nach dem 3000 Jahre alten Einlegegericht benannt >> Kimchi Princess

Der Legende nach errichtete Halbgott Dangun vor über 4000 Jahren das erste Reich der Koreaner: das Land der Morgenstille. Die Überlieferung datiert dabei sehr genau, sodass das Jahr 2333 v. Chr. als Gründungsdatum Koreas gilt. Bis heute wird so auch ein nationaler Feiertag namens Gaecheonjeol gefeiert, was so viel bedeutet, wie Der Tag, an dem sich der Himmel öffnete

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